Strauß

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1Strauß [ʃtrau̮s], der; -es, -e:
großer, flugunfähiger Laufvogel mit schwarz-weißem bis graubraunem Gefieder:
Strauße züchten.
  2Strauß [ʃtrau̮s], der; -es, Sträuße ['ʃtrɔy̮sə]:
Blumen, Zweige, die zu einem Ganzen zusammengefasst oder zusammengebunden in eine Vase gestellt werden:
sie pflückte einen schönen Strauß für ihre Mutter; in dem neuen Blumenladen kann man die schönsten Sträuße kaufen.
Zus.: Blumenstrauß, Brautstrauß, Geburtstagsstrauß, Hochzeitsstrauß, Willkommensstrauß.

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Strauß1 〈m. 1größter heute lebender Vogel, zu den Flachbrustvögeln gehörender Vertreter einer eigenen Ordnung (Struthiones) in den Steppen Afrikas u. Vorderasiens: Struthio camelus ● Vogel \Strauß; den Kopf in den Sand stecken wie der Vogel \Strauß 〈fig.〉 sich unangenehmen Tatsachen gegenüber verschließen [<mhd. struze <ahd. struz <vulgärlat. struthio <grch. strouthion = strouthos megas „großer Vogel“]
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Strauß2 〈m. 1u
1. mehrere zusammengebundene Blumen (Blumen\Strauß, Rosen\Strauß)
2. 〈veraltet〉 Gefecht, Kampf, Streit
● einen \Strauß ausfechten; es war ein harter \Strauß; Blumen zu einem \Strauß binden [<mhd. *struz „Aufgeschwollenes“, mhd. gestriuze, striuzach „Buschwerk“; Grundbedeutung „Aufschwellung, Hervorstehendes“]

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1Strauß , der; -es, Sträuße [urspr. = Federbusch (bei Vögeln u. auf Helmen), wahrsch. eigtl. = Hervorstehendes, verw. mit strotzen]:
zusammengebundene od. -gestellte abgeschnittene od. gepflückte Blumen, Zweige o. Ä.:
ein frischer, verwelkter, duftender, bunter S.;
den S. [Veilchen] in die Vase stellen;
jmdm. einen S. weißen Flieder/(geh.:) weißen Flieders schicken, überreichen.
2Strauß , der; -es, -e [mhd. strūʒ(e), ahd. strūʒ < spätlat. struthio < griech. strouthi̓ōn, für: stroũthos (mégas) = (großer) Vogel, 2Strauß, H. u.]:
(in den Steppen Afrikas u. Vorderasiens lebender) großer, flugunfähiger Laufvogel mit langem, nacktem Hals, kräftigem Rumpf, hohen Beinen u. schwarz-weißem bis graubraunem Gefieder:
er steckt den Kopf in den Sand wie der Vogel S. (verschließt seine Augen vor etw. Unangenehmem).
3Strauß , der; -es, Sträuße [mhd. strūʒ, verw. mit: striuʒen = sträuben, spreizen]:
1. (veraltet) Kampf.
2. (veraltend) Auseinandersetzung, Streit, Kontroverse:
sich einen harten S. liefern;
einen S. mit jmdm. ausfechten.

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I
Strauß
 
[althochdeutsch strūʒ, über spätlateinisch struthio von griechisch strouthíōn, fürː stroũthos (mégas) »(großer) Vogel«], Struthio camelus, größter heute lebender Vogel mit rd. 2,5 m Scheitelhöhe und bis 150 kg Gewicht. Das lockere Gefieder ist beim Männchen, mit Ausnahme einer weißen Halskrause und der weißen oder bräunlichen Schwung- und Schwanzfedern, schwarz, beim Weibchen braun; Kopf und Hals sind weitgehend nackt, der Fuß trägt nur noch zwei Zehen (die dritte und vierte). Die flugunfähigen Vögel können im Lauf 60-70 km/h erreichen. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus pflanzlichen Stoffen, doch werden auch kleinere Tiere gefressen. Bei der Balz breitet das Männchen seine weißen Federn aus und ruft laut dröhnend. Je nach Populationsdichte herrschen Mono- oder Polygamie vor. Im letzteren Fall legen mehrere Weibchen in ein Nest, aber allein die »Haupthenne« und der Hahn brüten. Strauße leben heute nur noch südlich der Sahara. Der Strauß wird in eine eigene Familie (Strauße, Struthionidae) gestellt. Es sind mehrere fossile Arten bekannt, die im späten Tertiär auch in Europa vorkamen. - Eine landwirtschaftliche Straußhaltung ist auch unter europäischen Bedingungen möglich, die Wintertemperaturen bereiten den Tieren kaum Probleme. Hauptprodukt sind die Eier, ein Straußenei wiegt etwa 1 kg.
 
II
Strauß,
 
österreichische Musikerfamilie des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, aus der mehrere der für die Wiener Tanzmusik und Operette maßgeblichen Komponisten hervorgegangen sind.
 
 
P. Kemp: Die Familie S. (a. d. Engl., 1987);
 N. Linke: Musik erobert die Welt oder wie die Wiener Familie S. die »Unterhaltungsmusik« revolutionierte (Wien 1987).
 
Bedeutende Vertreter:
 
 1) Eduard, österreichischer Komponist, * Wien 15. 3. 1835, ✝ ebenda 28. 12. 1916, Sohn von 2); wirkte in der Kapelle seines Bruders Johann und wurde 1870 dessen Nachfolger als Hofballdirektor in Wien. Seine über 300 Kompositionen stehen ganz unter dessen Einfluss. Sein Sohn Johann Strauß (* 1866, ✝ 1939) wirkte als sein Nachfolger zunächst in Wien, später als Kapellmeister in Berlin.
 
 2) Johann (Vater), österreichischer Komponist, * Wien 14. 3. 1804, ✝ ebenda 25. 9. 1849, Vater von 1), 3) und 4); seit 1819 Bratschist in J. Lanners Quartett, später in dessen Orchester Hilfsdirigent, gründete 1825 eine eigene Tanzkapelle, mit der er seit 1833 Konzertreisen bis nach Frankreich und England unternahm. 1835 wurde er in Wien Hofballmusikdirektor. Strauß war neben Lanner der Begründer und der in ganz Europa gefeierte Repräsentant der Wiener Tanzmusik, besonders des Wiener Walzers. Er komponierte über 250 Werke, darunter 150 Walzer (»Das Leben ein Tanz«, Opus 49; »Heimat-Klänge«, Opus 84; »Cäcilien-Walzer«, Opus 120; »Loreley-Rhein-Klänge«, Opus 154; »Herz-Töne«, Opus 203; »Die Schwalben«, Opus 208), 34 Quadrillen, 28 Galopps (»Chineser-Galoppe«, Opus 20), 16 Märsche (»Radetzky-Marsch«, Opus 228) und 14 Polkas (»Kathinka-Polka«, Opus 210; »Frederica-Polka«, Opus 239).
 
 
 
F. Farga: Lanner u. Strauss (Wien 1948);
 H. E. Jacob: J. S., Vater u. Sohn (Neuausg. 1962).
 
 3) Johann (Sohn), österreichischer Komponist, * Wien 25. 10. 1825, ✝ ebenda 3. 6. 1899, Sohn von 2), Bruder von 1) und 4); gründete 1844 eine Tanzkapelle, die er nach dem Tod seines Vaters mit dessen Orchester vereinigte. Unter dem Beinamen »Walzerkönig« galt er auf vielen Konzertreisen bis in die USA als Repräsentant einer spezifisch wienerischen Lebenshaltung und Musikkultur. 1863-70 leitete er als Hofballmusikdirektor die Wiener Hofbälle. Angesichts der Wiener Erfolge J. Offenbachs wandte sich Strauß ab 1871 der Operette zu und schuf mit »Die Fledermaus« (1874) und »Der Zigeunerbaron« (1885) Meisterwerke der Gattung. In seinen über 170 Walzern verbinden sich volkstümliche Erfindung und sinnfällige Gestik mit kunstvoller Anlage und Satztechnik. Innerhalb einer Standardform (Introduktion, fünfteilige Walzerkette, Koda) werden Melodik und Rhythmik geschmeidig und differenziert behandelt und durch eine gekonnte Instrumentation unterstützt. Seine Polkas, Quadrillen, Galopps und Märsche sind ebenfalls sehr populär.
 
 
Weitere Werke: Walzer: Sinngedichte (1844); Dorfgeschichten (um 1848); Liebeslieder (1852); Sirenen (1855); Hofballtänze (1865); An der schönen blauen Donau (1867); Künstlerleben (1867); Geschichten aus dem Wienerwald (1868); Wein, Weib und Gesang (1869); Wiener Blut (1873); Rosen aus dem Süden (1880); Frühlingsstimmen (um 1882); Kaiserwalzer (1888).
 
Operetten: Cagliostro in Wien (1875); Prinz Methusalem (1877); Blindkuh (1878); Der lustige Krieg (1881); Eine Nacht in Venedig (1883); Fürstin Ninetta (1893); Waldmeister (1895); Wiener Blut (nach Melodien von Strauß eingerichtet von A. Müller jr., 1899).
 
 
E. Schenk: J. S. (1940);
 M. Prawy: J. S. Weltgesch. im Walzertakt (Neuausg. 1980);
 M. Prawy: J. S. (Wien 1991);
 
J. S. (Sohn). Leben u. Werk in Briefen u. Dokumenten, hg. v. F. Mailer, auf mehrere Bde. ber. (1983 ff.);
 N. Linke: J. S. (Sohn) (15.-17. Tsd. 1992).
 
 4) Josef, österreichischer Komponist, * Wien 22. 8. 1827, ✝ ebenda 21. 7. 1870, Sohn von 2), Bruder von 1) und 3); war zunächst als Ingenieur tätig, widmete sich dann der Musik und vertrat häufig seinen Bruder Johann, mit dem er die »Pizzicato-Polka« komponierte. Er schrieb nahezu 300 Walzer, Polkas, Mazurkas und Quadrillen. Am bekanntesten sind die »Dorfschwalben aus Österreich«, »Delirien«, »Sphärenklänge« und »Transaktionen«. Seinen Walzer »Dynamiden« zitiert R. Strauss in seiner Oper »Der Rosenkavalier«.
 
 
A. Weinmann: Verz. sämtl. Werke von Josef u. Eduard Strauß (Wien 1967);
 F. Mailer: Joseph S. Genie wider Willen (1977).
III
Strauß,
 
1) Botho, Schriftsteller, * Naumburg (Saale) 2. 12. 1944; war 1967-70 Redakteur und Kritiker der Zeitschrift »Theater heute«; 1971-75 Dramaturg an der »Schaubühne am Halleschen Ufer« in (West-)Berlin; seit Mitte der 70er-Jahre einer der meistgespielten deutschsprachigen Bühnenautoren. Charakteristisch für seine von der Kritik zumeist sehr kontrovers aufgenommenen Stücke ist die Auflösung der linearen Handlung, die Einbeziehung dramaturgischer Mittel des Films (z. B. in »Trilogie des Wiedersehens«, 1976) und eine Fülle literarischer und mythologischer Anspielungen und Zitate. Neben den Bühnenwerken entstanden auch Gedichte, essayistische und erzählende Prosa, die in einer Mischung verschiedener Textarten meist um die - streng individualistisch verstandene - Arbeit des Schriftstellers kreist (»Die Fehler des Kopisten«, 1997) oder Beziehungen zwischen den Geschlechtern thematisiert (»Paare, Passanten«, 1981; »Das Partikular«, 2000). 1989 erhielt Strauß den Georg-Büchner-Preis.
 
Weitere Werke: Dramen: Die Hypochonder (1972); Kalldewey, Farce (1981); Der Park (1983); Besucher. 3 Stücke (1988); Angelas Kleider (1991); Schlußchor (1991); Das Gleichgewicht (1993); Ithaka. Schauspiel nach den Heimkehr-Gesängen der Odyssee (1996); Der Narr und seine Frau heute abend in Pancomedia (Uraufführung 2001).
 
Prosa: Die Widmung (1977); Rumor (1980); Paare, Passanten (1981); Der junge Mann (1984); Versuch, ästhetische und politische Ereignisse zusammen zu denken. Texte über Theater 1967-1986 (1987); Fragmente der Undeutlichkeit (1989); Kongreß (1989); Beginnlosigkeit. Reflexionen über Fleck und Linie (1992); Wohnen Dämmern Lügen (1994).
 
 2) David Friedrich, evangelischer Theologe, * Ludwigsburg 27. 1. 1808, ✝ ebenda 8. 2. 1874; studierte 1825-30 in Tübingen Theologie, ab 1826 bei F. C. Baur, wobei er sich u. a. I. Kant und F. W. J. Schelling, über diesen vermittelt J. Böhme und gegen Ende seines Studiums G. W. F. Hegel zuwandte. Nach seiner Promotion (1831) setzte Strauß sein Studium in Berlin bei Hegel, F. D. E. Schleiermacher und P. K. Marheineke fort. 1832 wurde er Repetent im Tübinger Stift, jedoch aus dieser Stellung nach Erscheinen seines Buches »Das Leben Jesu. ..« (2 Bände, 1835-36) entlassen. Das Erstlingswerk Strauß' löste eine heftige Debatte aus und beeinflusste in starkem Maße die Leben-Jesu-Forschung. In ihm versuchte Strauß in konsequenter Anwendung der historischen Bibelkritik (Exegese) und philosophisch durch die eigene Hegelinterpretation untermauert, die Evangelien als mythische und somit unhistorische Erzählungen zu erweisen. Die Schilderung der Person Jesu im Neuen Testament interpretierte er als den in der neutestamentlichen Zeit verwurzelten Versuch, die ewige Idee des »Gottmenschen« (die nach Strauß Grundlage der christlichen Wahrheit und des christlichen Glaubens war) darzustellen, nicht jedoch als die Darstellung des Lebens einer historischen Person. Nach seiner Entlassung war Strauß bis 1836 Dozent für klassische Sprachen am Ludwigsburger Lyzeum und widmete sich dann privaten Studien. Seine von einem linkshegelianischen Standpunkt aus verfassten »Streitschriften« gegen die theologischen Entwürfe seiner Zeit verstand er als seine »Abrechnung« mit diesen. Mit der »Christlichen Glaubenslehre« (2 Bände, 1840-41) entwarf Strauß eine »Antidogmatik«, in der er das Christentum gegenüber der Wissenschaft als unterlegen darstellte und eine Vermittlung zur Philosophie ablehnte. 1848 war Strauß Abgeordneter der Liberalen im württembergischen Landtag. In den folgenden Jahren verfasste er eine Reihe von Biographien (u. a. über C. F. D. Schubart, U. von Hutten, H. S. Reimarus, Voltaire). 1864 erschien unter dem Titel »Leben Jesu für das deutsche Volk bearbeitet« eine populäre Überarbeitung seines Erstlingswerkes. Theologisches Anliegen Strauß' war die Fortbildung des Christentums zur Humanitätsreligion. Strauß' letztes großes Werk, »Der alte und der neue Glaube« (1872), ist sein Bekenntnis zur nichttheistischen Humanitätsreligion, zur modernen Wissenschaft und bürgerlichen Kultur.
 
 
Weitere Werke: Streitschrift zur Vertheidigung meiner Schrift über das Leben Jesu und zur Charakteristik der gegenwärtigen Theologie (1837); Hermann Samuel Reimarus und seine Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes (1862).
 
Ausgaben: Gesammelte Schriften, herausgegeben von E. Zeller, 12 Bände (1-91876-78); Briefe an seine Tochter. Nebst Briefen seiner Mutter an ihn selbst (1921); Briefwechsel zwischen Strauß und Vischer, herausgegeben von A. Rapp, 2 Bände (1952-53).
 
 
K. Barth: D. F. S. als Theologe, 1839-1939 (Zürich 21948);
 J. F. Sandberger: D. F. S. als theolog. Hegelianer. Mit unveröffentl. Briefen (1972);
 E. G. Lawler: D. F. S. and his critics (New York 1986);
 W. Madges: The core of Christian faith. D. F. S. and his catholic critics (ebd. 1987);
 P. Schrembs: D. F. S. Der »Alte u. der neue Glaube« in der zeitgenöss. Kritik (Diss. Jürich 1987).
 
 3) Emil, Schriftsteller, * Pforzheim 31. 1. 1866, ✝ Freiburg im Breisgau 10. 8. 1960; war befreundet mit Mitgliedern des Friedrichshagener Dichterkreises (M. Halbe, R. Dehmel, G. Hauptmann); unterstützte später den nationalsozialistischen »Kampfbund für deutsche Kultur« und erhielt im nationalsozialistischen Deutschland zahlreiche Ehrungen. Berühmt wurde er durch den Roman »Freund Hein« (1902). Charakteristisch ist seine Bindung an die Heimatkunst mit ihren Idealen des einfachen Lebens. Neuromantische Harmonisierung des Volkslebens und gegen den »Wertezerfall« gerichtetes Traditionsbewusstsein bestimmen Strauß' Werke.
 
Weitere Werke: Romane und Erzählungen: Der Engelwirt (1901); Hans und Grete (1909); Der Spiegel (1919); Der Schleier (1920); Das Riesenspielzeug (1935); Lebenstanz (1940).
 
Autobiographie: Ludens (1955).
 
 4) Franz Josef, Politiker, * München 6. 9. 1915, ✝ Regensburg 3. 10. 1988; Philologe, 1945 Mitgründer der CSU, 1949-52 Generalsekretär, 1952-61 stellvertretender Vorsitzender und 1961-88 Vorsitzender der CSU; formte seine Partei zu einer mitgliederstarken Organisation und gab ihr - neben der landespolitisch bayerischen Orientierung - einen eigenständigen bundespolitischen Zuschnitt. Er benutzte dabei v. a. den »Bayernkurier« als Sprachrohr seiner gesellschaftlichen und politischen Vorstellungen.
 
Auf Bundesebene war Strauß 1949-78 Mitglied des Bundestags, 1953-55 Bundesminister für Sonderaufgaben, 1955-56 für Atomfragen. Als Bundesminister der Verteidigung (1956-62) leitete er die Aufbauphase der Bundeswehr (Rücktritt wegen der Spiegelaffäre). 1963-66 führte er die Landesgruppe der CSU im Bundestag. Als Bundesminister der Finanzen (1966-69) arbeitete er eng mit Bundeswirtschaftsminister K. Schiller (SPD) in der Regierung der großen Koalition zusammen.
 
Nach 1969 entwickelte sich Strauß zum vehementen Kritiker der Deutschlandspolitik und Ostpolitik der Regierung unter W. Brandt (SPD). Bei den Abstimmungen über die Verträge mit der UdSSR, Polen und der DDR trat er für deren Ablehnung ein, da er in ihnen ein Zurückweichen vor sowjetischen Hegemonialansprüchen sah. 1971-78 war Strauß wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. Nach den Bundestagswahlen von 1976 suchte er die Wahlchancen der Unionsparteien mit Ideen zur Ausweitung der CSU auf das ganze Bundesgebiet oder der Gründung einer »Vierten Partei« zu erhöhen.
 
Strauß folgte 1978 A. Goppel als Min.-Präs. von Bayern, ohne jedoch seine bundespolitischen Ambitionen aufzugeben. 1980 unterlag er als Kanzlerkandidat von CDU und CSU dem amtierenden Bundeskanzler H. Schmidt (SPD). Nach Bildung der CDU/CSU-FDP-Regierung unter H. Kohl (CDU; 1982) trat er nicht in diese ein, entwickelte jedoch starke politische Eigeninitiativen besonders im außen- und deutschlandpolitischen Bereich.
 
 
Schriften: Verantwortung vor der Geschichte (1985); Auftrag für die Zukunft (1987).
 
Autobiographisches: Die Erinnerungen (herausgegeben 1989).
 
 
W. Scharnagl: F. J. S. Der Mensch u. der Staatsmann, hg. v. W. Schöll (31988);
 O. Zierer: F. J. S. Ein Lebensbild (Neuausg. 1990);
 M. Frank: F. J. S. u. die Seilschaften der Justiz (31992);
 M. Behrend: F. J. S. Eine polit. Biogr. (1995).

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1Strauß, der; -es, Sträuße [urspr. = Federbusch (bei Vögeln u. auf Helmen), wahrsch. eigtl. = Hervorstehendes, verw. mit ↑strotzen]: zusammengebundene od. -gestellte abgeschnittene od. gepflückte Blumen, Zweige o. Ä.: ein frischer, verwelkter, duftender, bunter, schöner S.; einen S. [Veilchen] pflücken, zusammenstellen, in eine Vase stellen; jmdm. einen S. weißen Flieder/(geh.:) weißen Flieders schicken, überreichen; Blumen zu Sträußen binden; Ü ... trat Naso in dieser Nacht vor einen S. schimmernder Mikrofone (Ransmayr, Welt 60); wobei nach Auffassung der Mehrheit ein ganzer S. von Argumenten gegen eine Annahme spricht (NZZ 29. 8. 86, 26).
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2Strauß, der; -es, -e [mhd. strūʒ(e), ahd. strūʒ < spätlat. struthio < griech. strouthíōn, für: stroũthos (mégas) = (großer) Vogel, 2Strauß, H. u.]: (in den Steppen Afrikas u. Vorderasiens lebender) großer, flugunfähiger Laufvogel mit langem, nacktem Hals, kräftigem Rumpf, hohen Beinen u. schwarz-weißem bis graubraunem Gefieder: er steckt den Kopf in den Sand wie der Vogel S. (verschließt seine Augen vor etw. Unangenehmem).
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3Strauß, der; -es, Sträuße [mhd. strūʒ, verw. mit: striuʒen = sträuben, spreizen]: 1. (veraltet) Kampf. 2. (veraltend) Auseinandersetzung, Streit, Kontroverse: sie hatten sich schon manchen harten S. geliefert; ich habe noch einen S. mit dir auszufechten; Petersen erhob sich, frisch, munter und zuversichtlich, in tapferer Attitüde, streitbar und bereit, den S. zu wagen (Th. Mann, Buddenbrooks 498).

Universal-Lexikon. 2012.

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